Poster des 20. ECS-Meetings

Die European Cryptocoryne Society (ECS) ist eine Gruppe von Botanikern und Pflanzensammlern. Die Gruppe hat es sich zur Aufgabe gemacht Wasserkelche in der Natur und in der Kultur zu beobachten und die Erkenntnisse über diese Gattung von Aronstabgewächsen zu sammeln und die Arten in Kultur zu erhalten.

Mitglieder des ECS haben in den vergangenen Jahrzehnten viele neue Arten und Hybriden entdeckt. Durch morphologische Charakterisierung und Genanalysen, sowie durch das Zählen von Chromosomen und Auswertung von elektronenmikroskopischen Bildern, wurden die Cryptocorynen bis ins Detail untersucht. Prof. Niels Jacobsen (Kopenhagen), Jan Bastmeijer (Niederlande) und Dr. Josef Bogner (Deutschland) haben auf Grundlage der gesammelten Erkenntnisse – oft zusammen mit Wissenschaftlern aus den Heimatgebieten der Pflanzen – viele neue Arten beschrieben.

Innerhalb des ECS werden Pflanzen aus Ablegern vegetativ vermehrt und weitergeben, so dass von den meisten heute bekannten Arten Exemplare bei mehreren ECS-Mitgliedern in Kultur sind. Darunter sind auch Arten, deren bekannte Naturstandorte inzwischen zerstört wurden und die darum in der Natur nicht mehr auffindbar sind.

Einmal im Jahr treffen sich die Mitglieder des ECS zu einem von einem Mitglied organisierten Meeting, das von Freitagabend bis zum Sonntagmorgen geht. Dieses Treffen im Jahr 2019 war das zwanzigste.

Freitag

Am Anreisetag trafen sich alle Teilnehmer, die rechtzeitig in Brüssel waren, abends zum gemeinsamen Essen in einem Restaurant. Danach standen die ersten Vorträge im Tagungsraum des Hotels auf dem Plan.

Vorträge im Konferenzraum

Suwidji Wongso eröffnete die Vortragsreihe mit einem Bericht über die Verbreitung von Cryptocorynen auf Borneo.

Im Anschluss bekamen wir einen Reisebericht über den Südwesten Borneos.

Jochen Degrell hatte seine Versuche zur pH-Wertveränderung im Wasser durch Buchenlauberde aus dem Vorjahr fortgesetzt und stellte seine neuen Ergebnisse vor. Außerdem erzählte er von seinen Erfahrungen mit LED-Beleuchtung bei Cryptocorynen.

Den Abschluss machte an dem Abend Claus Kettner, der die Kulturen eines tschechischen ECS-Mitglieds vorstellte.

Samstag

Am Samstag fuhren die ECS-Mitglieder nach dem Frühstück zum botanischen Garten nach Meise. Der traditionsreiche Garten liegt einem großen Park rund um ein Schloss. Hauptsächlich findet man dort eine große Sammlung von Bäumen. 350 verschiedene Arten und Varietäten von Nadelgehölzen sind hier aufgepflanzt.
Für Aquarianer interessanter sind die verschiedenen Arten von Erlen (Erlenzäpfchen), Birken (Laub für Garnelen) und Buchen (Buchenlauberde für Cryptocorynen).
Im Garten für Kräuter, Sommerblumen und Stauden gibt es einige Betonbecken mit Wasser- und Sumpfpflanzen (Rohrkolben, Laichkraut etc.).
Besonders interessant war aber das Gewächshaus. Die Viktoria-Seerose zeigte leider nur noch eine einzelne verblühte Blüte, aber die Eurydale ferrox und einige andere kleinere Seerosen blühten. In dem großen Wasserbecken schwammen Skalare und Regenbogenfische, Guppys und andere Fische.

Zurück im Hotel wurden die mitgebrachten Jungpflanzen aus den Kulturen der Wasserkelchfreunde getauscht.

Um 21:30 Uhr versammelten sich die 40 Teilnehmer wieder im Vortragsraum.

Als erstes berichtete Claus Kettner vom Naturstandort von Cryptocoryne annamica in Thailand, auf den er bei der Recherche im Internet gestoßen war.

Danach sprach er über Cryptocoryne bognerei, von der nur 2 Standorte in der Natur bekannt sind. Die Art ist schwierig in der Kultur und wurde nur zweimal in der Natur gesammelt. Am Naturstandort besteht der Boden aus Quarzkies und das Wasser ist sehr nährstoffarm mit nur 14 µS/cm. Neue Bilder der Region bei Google Earth zeigen, dass vor einigen Monaten ein großer Teil des Waldes in dem Gebiete verschwunden ist. Da es sich um ein Naturschutzgebiet handelt, das niemand betreten darf, ist näheres nicht bekannt.
Möglicherweise wurde einer der bekannten Naturstandort durch einen Erdrutsch zerstört. Eine kurze Umfrage unter den Anwesenden ergab, dass die Pflanze bei 5 Mitgliedern der Gruppe noch in Kultur ist. Sie ist aber schwierig zu pflegen und bildet kaum Blüten oder Ausläufer.

In seinem dritten Kurzvortrag zeigte der Referent Bilder von Cryptocoryne striolata, wie sie unter Wasser blüht. Die Pflanzen waren 3 Jahre unter Wasser bei 500 µS/cm und einem pH-Wert von 6,5 auf Quarzkies. Die Art setzt gelegentlich Früchte an und bildet Samen, die auch keimen. Versuche eine gezielte Bestäubung zu erreichen, indem Wasser in die Blütenstände emerser Pflanzen eingefüllt wurde, schlugen bisher aber fehl.

Im 4. Vortrag des Abends gab Siwidji Wongso einen Überblick über die Cryptocorynen auf Sumatra. Es gibt auf der Insel 19 Arten und Hybriden, 12 davon sind endemisch auf Sumatra.
C. minima, C. ponteponterderifolia, und C. Wongsoi wachsen im Norden der Insel. Im Süden sind weitere Fundorte von C. bankaensis entdeckt worden. Zum Teil kommt Cryptocoryne cordata var. diderici zusammen mit C. bankaensis vor.
Standorte von C. pontederifolia kommt nahe an Fundorten von C. nurii vor und es wurden Pflanzen gefunden, bei denen es sich möglicherweise um Hybriden aus beiden Arten handelt.
Im vergangenen Jahr wurden auch neue Aufsammlung von C. minima „Amicorum“ gemacht. Variationen von C. minima lassen sich in ihrem gesamten Verbreitungsgebiet nachweisen. In Zentral-Sumatra gibt es Naturhybriden aus C. minima und C. cordata var. diderici. Cryptocoryne nurii „Platinum“ ist eine reine Art und weit verbreitet. Die Form, die als „Poseidon“ bekannt ist, weil sie ein helles Muster un Form eines Dreizacks auf den Blättern hat, ist möglicherweise eine Hybride. Die Form ist aber fruchtbar. Bei der Cryptocoryne nurii sind inzwischen mehrere Fundorte bekannt und es ist eine Variation der Spathafarbe von dunkelrot bis gelb festzustellen.
C. bankaensis und ihre Hybriden haben eine gelbe, braune oder rote Spatha mit Warzen am Rand der Spatha.
In Zentral-Sumatra kennt man inzwischen ca. 50 Fundorte mit verschiedenen Arten und Hybriden. Hier gibt es unter anderem auch Hybriden zwischen C. nurii und C. cordata var. diderici mit kurzer Fahne und roter, glatter Spatha. Diese Form ist nicht identisch mit C. jacobsenii.

Im Anschluss an seinen Vortrag überreichte Suwidji Wongso zusammen mit seiner Frau Yenny Chen eine ihrer Zeichnungen von Cryptocoryne bastmeijeri an Jan Bastmeijer, nach dem die Pflanze benannt ist. Yenny Chen zeichnete auch das Bild von Cryptocoryne cordata var. grabowski, auf dem Poster des diesjährigen Treffens.

Suwidji Wongso und seine Frau Yenny Chen überreichen Jan Bastmeijer eine Zeichnung von Cryptocoryne bastmeijeri.

Im 5. Vortrag gab Klaus Härtel einen Einblick in die chemischen Veränderungen im Laub von Bäumen im Jahresverlauf. Buchen lagern weniger Calcium ein, als andere Laubbäume. Außerdem haben sie ein sehr enges Verhältnis von Kohlenstoff zu Stickstoff und zersetzen sich darum langsam.

Der 6. Vortrag war von Niels Jacobsen, wurde aber, weil dieser in diesem Jahr verhindert war, von Mr. Wongso vorgetragen. Das Thema waren die Chromosomenzahlen von Wasserkelchen und ihren Hybriden.

Als nächstes hörten wir einen Vortrag über Cryptocorynen-Standorte in West Kalimantan. In kleinen Pools mit Kampffischen (Betta anabantoides und Betta purshii) wuchsen auch Cryptocorynen.

Den Abschluss machte Mr. Wongso, der zwei Präsentation von Takashige Idei zeigte, die Cryptocorynen-Standorte im Norden Thailands vorstellten.

Sonntag

Nach dem gemeinsamen Frühstück am Sonntag endete das 20. ECS-Meeting. Alle Teilnehmer fuhren um einige Erkenntnisse reicher und mit vielen neuen Ideen zurück nach Hause.
Wir freuen uns auf das nächste Treffen, das 2020 in Kopenhagen stattfinden wird.