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Exkursion zu den Rieselfeldern Münster

26. Mai 2019

An diesem sonnigen Sonntag im Mai hatten die Wasserpflanzenfreunde zu einer Exkursion in den Norden von Münster eingeladen. Leider war die Hälfte von uns aus diversen familiären Gründen verhindert, so dass wir an diesem Tag nur zu sechst waren. Das hat der guten Stimmung aber keinen Abbruch getan.

Treffpunkt war die Biologische Station (Coersmühle 181). Hier ist eine Ausstellung mit präparierten Vögeln, die in den Rieselfeldern leben. Außerdem sind hier die Nester von diversen Wespenarten ausgestellt.

Von der Biologischen Station sind wir dem Rundweg durch die Rieselfelder gefolgt und haben den großen Stauteich umrundet. Entlang des Weges sind verschiedene Info-Pfosten und Schautafeln, die auf verschiedene Tiere und Pflanzen hinweisen. Bei einem gemütlichen Spaziergang sahen wir verschiedene Insekten und andere kleine Tiere. Das Gezwitscher der oft nicht sichtbaren Singvögel begleitete uns auf Schritt und Tritt.

Zum Essen kehrten wir in der Gaststätte „Heidekrug“ ein. Hier ist auch das Informationszentrum Rieselfelderhof mit einigen Teichen und einer Ausstellung zur Landwirtschaftsgeschichte der Rieselfelder. Hier konnten wir dem Hochzeitskonzert der Wasserfrösche lauschen und eine Familie Blesshühner beobachten.

 

Vom Eichenwald zur Sumpflandschaft

Ursprünglich war das Gebiet der heutigen Rieselfelder mit einem Eichen-Hainbuchenwald bedeckt. Durch Rodung und Beweidung entwickelte sich im laufe der Zeit eine Heidelandschaft. 1899 wurden Rieselfelder angelegt, weil die Münstersche Aa durch die Einleitung von Abwässern stark verschmutzt war. Bis 1901 wurde ein Pumpenhaus mit einer Druckleitung gebaut, die das Abwasser auf einer Fläche von 200 Hektar in mehr als 130 verschiedene Parzellen zur Verrieselung verteilte. Das Wasser stand dort einige Zeit auf den Flächen und versickerte dann durch den Sandboden. In 120 cm Tiefe wurde das durch diesen natürlichen Sandfilter gereinigte Wasser dann durch Drainagen in die Ems und die Aa abgeleitet. Durch die Ausbringung der Nährstoffreichen Abwässer wurde der verarmte Boden wieder fruchtbar. Zahlreiche Kleinpächter nutzten das, um Getreide, Obst und Gemüse anzubauen und Milchvieh weiden zu lassen.

Bis 1960 wuchs die Fläche der Rieselfelder auf 640 Hektar an. Durch das Bevölkerungswachstum in Münster reichten auch diese Fläche bald nicht mehr aus. Eine weitere Ausdehnung der Rieselfelder war jedoch nicht möglich. Ab 1962 wurden darum einige Flächen dauerhaft berieselt und nur noch als Grünland genutzt. Manche Parzellen standen nun dauerhaft unter Wasser. 1969 war so ein Feuchtgebiet mit Wasserstellen, Schlammbänken, Brachland und feuchten Weiden auf einer Fläche von 240 Hektar entstanden.

Das an vielen Stellen nur etwa 20 cm tiefe Wasser bot für viele Vögel ein reichhaltiges Angebot an Nahrung. Mückenlarven, Würmer, Fliegenmaden und auch Wasserflöhe gab es in de Tümpeln schnell in Massen. Da die Rieselfelder von Natur aus fischfrei waren, gab es für ziehenden Wat- und Wasservögel keine Konkurrenz. Die bewachsenen Ufer boten zudem einen guten Schutz für Rast- und Nistplätze. Der Geruch der Abwässer hielt zudem die meisten Menschen fern. Seit 1968 beobachtet aber die „Ornithologische Arbeitsgemeinschaft Rieselfelder Münster“ die Vögel und dokumentiert die Arten und Zahlen.

Nachdem 1965 klar wurde, dass die Rieselfelder die Abwassermengen der wachsenden Stadt nicht mehr würden aufnehmen könne, wurde der Bau eines Großklärwerks wurde beschlossen. Dieses nahm 1975 seine Arbeit auf. Seitdem haben die Rieselfelder keine Bedeutung mehr für die Abwasserentsorgung. Durch die Arbeit der Vogelkundler wurde aber die Bedeutung des Gebiets für Wat- und Wasservögel belegt. Und so wurden 1976 zunächst 230 Hektar als Vogelschutzgebiet ausgewiesen. 1978 wurde die Fläche zum Europareservat ernannt und erhielt 1979 die Ausweisung als Europäisches Vogelschutzgebiet.

 

Lebensraum am Saum zwischen Wasser und Land

Natürliche und naturnahe Gewässer sind in der Kulturlandschaft selten. Besonders Flachwasserzonen sind rar. Sie sind aber als Lebensraum für zahlreiche Tiere besonders wertvoll. In den Rieselfeldern, wo der Wasserstand meistens unter 40 cm beträgt, finden zahlreiche Tiere ein Zuhause, die auf solche flachen Gewässer angewiesen sind. Die Ufer sind von Rohrkolben und Schilf gesäumt. Die Rieselfelder sind eines der größten zusammenhängenden Schilfgebiete NRWs.
Besonders vielfältig ist die Vogelwelt. Ca. 150 Arten, die in Feuchtgebieten heimisch sind, leben hier. Dazu gehören so seltene Arten wie die Schwarzkehlchen und die Blaukelchen, von denen mit rund 80 Brutpaaren gut die Hälfte der in NRW lebenden Tiere in den Rieselfeldern brüten. Dazu kommen Teichrohrsänger, Beutelmeisen, Haubentaucher, Reiher, Schwäne, Kolbenenten, Kampfläufer, Löffler, Kiebitze, Störche und viele andere. Natürlich leben hier auch Molche, Frösche, Libellen und Schwimmkäfer. Der Nutria ist ein Neozoe, der sich auch in den Rieselfeldern heimisch fühlt.

Am Rand der Rieselfelder sind in den 1990ern Streuobstwiesen mit alten Obstsorten angepflanzt worden. Die alten Bäume dienen unter anderem Steinkäuzen und Mardern als Lebensraum. Seit 1994 weiden im Naturerlebnisgebiet Heckrinder.

Fazit

Die Rieselfelder sind einen Besuch wert. Die Wege sind gut befestigt und die meisten Beobachtungs- und Ausstellungsräume sind barrierefrei. Es ist alles gut für Rollstuhlfahrer und auch für Familien mit Kinderwagen geeignet. Wir hatten einer 10-Jährigen dabei, der sich mit einem Fotoapparat ausgestattet den ganzen Tag gut amüsiert hat.

Auch für Radfahrer sind die Rieselfelder ein lohnendes Ausflugsziel. Für einen möglichst guten Einblick sollten Vogelinteressierte Fernglas und Teleobjektiv mitbringen.

Etwas bedauerlich ist, dass die für 10 Uhr geplante Führung ausfallen musste, weil unser Führer in der Nacht vor der Exkursion versumpft ist und nicht vor 11 Uhr aus dem Bett kam. Mit Hilfe des ausliegenden Infomaterials war eine Orientierung aber auch ohne Führer problemlos möglich.